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Es wird die längste, senkrecht verlaufende Druckleitung Europas. Nach nur 20 Monaten Bauzeit wird das neue Wasserkraftwerk der Eisackwerk GmbH Ende des Jahres ans Netz gehen. Der Bevölkerung des Gebietes möchten die Bauherren einen Anteil Gratisstrom zur Verfügung stellen.
Das neue Kraftwerk, das die private Eisackwerk GmbH in Mühlbach baut, wird ab Ende des Jahres aus dem Valler und dem Pfunderer Bach etwa ein Viertel mehr Strom gewinnen als das aktuelle E-Werk. Das Unternehmen setzt mit seinem Kavernenkraftwerk in Mühlbach neue Maßstäbe: Die Druckrohleitungen mit 49 und 62 bar Druck, die bisher mitten durchs Dorf Mühlbach verliefen, werden in einen senkrechten Stollen im Berg verlegt, der in eine unterirdische Turbinenhalle führt.
„Als privates Unternehmen können wir einen Bau von öffentlichem Interesse mit solch zukunftweisenden Technologien ausstatten, dass für alle ein Vorteil daraus entsteht, auch für die Bürger“, sagt Kraftwerkseigentümer Hellmuth Frasnelli. Er und der Projektleiter und Miteigentümer der Eisackwerk GmbH Karl Pichler erklären in einer Pressekonferenz, den Familien der Gemeinden Mühlbach und Vintl, die über einen Stromanschluss über 3,3 Kilowatt verfügen, ab 2013 die Hälfte des Basisverbrauches kostenlos zur Verfügung stellen zu wollen. „Die Bevölkerung des gesamten Einzugsgebietes soll einen spürbaren Nutzen aus dem Kraftwerk haben – über die Auflagen der Konzession hinaus“, sagt Frasnelli.
Das Projekt weckt internationale Aufmerksamkeit: Zuletzt besuchten Delegationen von Fachleuten aus Südkorea, Norwegen und Österreich die Baustelle. Bei den zwei Wasserfassungen kommen nämlich „Grizzly-Feinrechen“ zum Einsatz, die getrennte Entsandungsanlagen – mit den einhergehenden, umweltbelastenden Sedimentspülungen – überflüssig machen. Die Pfunderer Wasserfassung ist sogar die größte dieser Art in Europa und stammt aus Ratschings. „Sämtliche Aufträge im Wert von 26 Millionen Euro sind an Südtiroler Unternehmen gegangen“, sagt Karl Pichler. Auch die Turbinen stammen aus Südtirol.
Nun ist das Bauvorhaben nach 14 Monaten Bauzeit weit fortgeschritten. Die Sprengungen konnten vor Kurzem abgeschlossen worden. In der Kavernenhalle, die man über einen 850 m langen Tunnel erreicht, werden in Kürze die beiden Turbinen montiert. Rund 100 Millionen KWh pro Jahr wird das neue E-Werk erzeugen, das sind etwa 20 Millionen grüne KWh mehr als das alte Werk, denn die neue Technik ermöglicht einen höheren Wirkungsgrad.
Bis Ende Dezember soll das neue Wasserkraftwerk 36.000 Familien mit Strom beliefern – das entspricht in etwa den Haushalten einer Stadt wie Bozen. Der Mühlbacher Bürgermeister freut sich, den Grund zwischen Bahnhof und der Siedlung Sonnleiten, wo früher die Druckleitungen zwischen den Häusern verliefen, für öffentliche Zwecke dazuzugewinnen.